Bericht: Auf dem Paradiesweg

Pünktlich am Sonntag, 26. März um 1400 Uhr der gerade erst neu umgestellten Sommerzeit hatten sich 15 Wanderer an der VOBA in Betzweiler bei herrlichstem Frühlingswetter eingefunden. Nach kurzer Begrüßung durch die Wanderführer Evi & Stefan fuhren wir dann auch gleich mit vier Privat-PKW nach Oberndorf a.N., um am ehemaligen Gasthaus „Waldeck“, welches heute das griechische Restaurant „Syrtaki“ beherbergt, unsere Autos zu parken und die Halbtageswanderung zu beginnen.

Zunächst ging es durch die Siedlung am Krankenhaus den Neckar abwärts. Nach einer unkonventionellen Überquerung eines Bolzplatzes ging es dann die ersten Stäffele hinauf. Wir passierten den Wanderparkplatz an der L415 und stiegen auf einem schönen Trampelpfad hinauf zur Schillerhöhe, wo wir eine kleine Trinkpause einlegten und den Ausblick auf Oberndorf genossen. Hier entledigten sich die ersten dann auch der ein oder anderen Zwiebelschicht ihrer Kleidung und wir machten das erste Gruppenbild.

Gruppenbild auf der Schillerhöhe bei Oberndorf a.N.

Und auch gleich ein Zweites 🙂

Dann ging es weiter ganz hinauf, vorbei an einer ehemaligen Verankerung eines Drahtseiles, welche im 2. Weltkrieg als Fliegersperre das ganze Neckartal überspannte, um die Waffenfabriken im Tal zu schützen. Über freie Hochfläche mit Blick auf die Schwäbische Alb ging es gemütlich weiter bis zu einem kleinen Wäldchen, wo wir eine kleine Suche nach einem Geo-Cache einlegten. Einige durchstöberten den Wald dann auch noch auf der Suche nach Relikten ehemaliger FLAK-Stellungen im 2. Weltkrieg, die sie auch fanden.

Immer weiter ging es dann auf der Hochfläche bei Boll bis zum nächsten Wäldchen, an welchem wir zunächst am Rande entlang liefen und dann direkt hindurch zu laufen. In diesem Wäldchen fanden wir dann die Überreste einer ehemaligen „Keltischen Viereckschanze“. Auf der anderen Seite des Wäldchens ging es dann kurz wieder auf die freie Hochfläche, bevor wir erneut am Rande eines Waldes entlang liefen und kurze Zeit später auch wieder ein Stückchen hindurch. Am Rande dieses Waldes viel einigen Teilnehmern auf, dass an einigen Bäumen erstaunlich viele gelb-orange Flechten angesiedelt waren. Es kam dann die Frage auf, ob das den Bäumen vielleicht schadet? Zum Glück war auf dieser Wanderung unsere Lissy Mutschler mit dabei, einer ausgebildeten Schwarzwaldguide und außerdem die 2. Naturschutzwartin unseres Vereins, die uns schnell mehr dazu erklären konnte.

schaden Flechten den Bäumen?

Fazit: diese Flechten schaden den Bäumen nicht. 🙂

Nun kamen wir ans obere Ende (oder eigentlich an den Anfang) der sagenhaften Denkenbachschlucht, welche wir kurzerhand etwas umliefen und dann überquerten. Hier kam dann die Frage aus der Gruppe, ab wann sich eine Schlucht eigentlich Schlucht nennen darf? Ich vertröstete die Fragenstellerin auf später, denn wir liefen dann auf der rechten Seite dieser Schlucht auf Wildwechselpfaden talabwärts. Und je weiter wir bergab kamen, desto deutlicher wurde diese Frage automatisch beantwortet. 🙂

Wir erreichten dann mitten im Wald eine recht praktische Querungshilfe über bzw. durch diese Schlucht, die sich auf der anderen Seite angekommen als „Seniorentreppe“ herausstellte. 🙂 Und dann ging es immer weiter talabwärts, jetzt allerdings auf der linken Seite. Und spätestens hier wurde unmißverständlich klar, dass diese Denkenbachschlucht in der Tat eine echte und sehr beeindruckende Schlucht ist. Und noch etwas besonderes kennzeichnete diese Schlucht: es war fast totenstill darin, nicht einmal Vogelgezwitscher war dort zu vernehmen.

Nun hatten wir auch schon den Wendepunkt dieser Tour erreicht und es ging wieder bergauf in Richtung „Ruine Bogeneck„. Am 18. Oktober 1356 ereignete sich im Raum Basel das bisher stärkste Erdbeben nördlich der Alpen. Vermutlich aufgrund dieses Bebens, wurde die Burg zerstört. Unterhalb der Burg lag das heute abgegangene (im 14. Jhdt.) Dorf Denkenhausen. Wer mehr über diese Ruine wissen möchte, kann hier auf der entsprechenden Wiki-Seite oder hier mehr erfahren.

Mitten in der Ruine befand sich ein schöner Rastplatz mit Tisch und Bänken, die uns wieder zu einer kurzen Rast einluden. Und ganz nebenbei erfuhren wir dann von Lissy wieder sehr wissenswertes über einige Pflanzen, wie zum Beispiel die Knoblauchrauke, Waldmeister oder Efeu.

Dann ging es weiter auf schönen weichen Waldwegen und teilweise quer durch den Wald auf Wildwechseln zum „Boller Fels„, von wo aus man einen wunderschönen Blick ins Neckartal und auf Aistaig hat. Auch hier verweilten wir eine kurze Zeit und genossen sowohl den Ausblick als auch die wärmenden Sonnenstrahlen, bevor wir weiter entlang der Kante zum Neckartal in Richtung Schillerhöhe zurück wanderten.

Auf der Schillerhöhe genossen wir erneut nochmal kurz den Ausblick auf Oberndorf, bevor es nun einen anderen Trampelpfad bergab nach Oberndorf ging. Letzter heikler Moment war dabei die Überquerung der L415, aber dann ging es ganz entspannt nur noch abwärts direkt zum Ausgangspunkt dieser Wanderung am Gasthaus „Syrtaki„, wo die Schlußeinkehr geplant war.

Kleiner Wermutstropfen war dann leider die sehr (zu) lange Wartezeit auf das wohlverdiente Essen. So muß man nüchtern feststellen, dass die Schlußeinkehr fast genauso lange dauerte, wie die Wanderung selbst. Aber vielleicht haben wir „Schwaben“ hier einfach auch nur eine andere Einstellung zum Essen als unsere südländischen Freunde? Denn nett und freundlich waren sie alle und den meisten, die dann etwas zum Essen bekamen, waren mit den Speisen auch sehr zufrieden.

Sei’s drum, ich finde, es war eine gelungene und abwechslungsreiche Halbtageswanderung auf teils wunderschönen Trampelpfaden und tollen Ausblicken – wie schon gesagt, bei „Kaiserwetter“.

Ach und noch etwas gibt es zu erwähnen: und zwar hatten Evi und ich beim Vorwandern mal einen freundlichen älteren Herrn mit seiner Frau getroffen. Und im Gespräch stellte sich dann heraus, das er ein langjähriges Mitglied und Wanderführer des hiesigen Schwäbischen Albvereins war. Wir hatten ihn und seine Frau dann eingeladen, uns auf unserer Oberdorfer Runde zu begleiten, aber das „Alter“ ließ das leider nicht mehr zu. Aber dieser nette Herr, Kurt Siegel heißt er übrigens, ließ es sich nicht nehmen, uns bei unserer Schlußeinkehr zu beehren und etwas über ihn und Oberndorf zu erzählen. Leider ließ die Lautstärke im „Sysrtaki“ es nicht zu, dass alle am langen Tisch etwas davon mitbekommen konnten und so war es lediglich einem kleinen Kreis vorbehalten, seinen Erzählungen zuzuhören. Hier nur nochmal für alle: Herr Siegel ist der „letzte Schuhmacher vor der Autobahn und ein Oberndorfer Original ! Vielen Dank an ihn für seine netten Anekdoten. 🙂